Überbordender Katzennachwuchs

Politische Forderung nach Kastrationspflicht für Freigängerkatzen – Tierheime sind voll

Katzenschutzinitiative Straubing

„Diese Katzen gehören mir nicht.“ Diesen Satz hört Anneliese Gebhardt oft. Sehr oft. Vor allem auf Bauernhöfen. „Kein Wunder, denn Bauer oder Bäuerin haben bereits die Enkel oder Urenkel ihrer Hauskatzen vor sich“, sagt die Vorsitzende der Katzenschutzinitiative Straubing. Es gibt viel zu viele wild lebende Katzen, macht sie einen Missstand deutlich. Eine Katze kann bis zu dreimal jährlich werfen. Katzen seien Haustiere und

entgegen weitverbreiteter Meinung nicht in der Lage, sich selber zu ernähren. Sie würden häufig verletzt und krank und müssten entsprechend leiden. Abhilfe sieht sie nur in der politischen Forderung nach einer Kastrationspflicht für Freigängerkatzen wie in Österreich.

Jedes Jahr werden zehntausende herrenloser, teilweise verwilderte Katzen durch Tierschutzvereine kastriert, sagt Anneliese Gebhardt. Und Anrufe von Katzenhaltern, die als Hartz-IV-Empfänger die Kastration nicht finanzieren könnten, seien fast alltäglich. Es sei oft schwer, da abzuwägen. Damit allein sei es nicht getan. Seien die Leute dann in der Lage, für Futter und Impfungen aufzukommen? Das könne nicht Aufgabe von Tierheimen und Tierschutzinitiativen sein. Solche Kostendimensionen ließen sich mit Mitgliedsbeiträgen und Spenden nicht decken. Sie bräuchten ihre Kapazitäten, um in wirklichen Notfällen zu helfen. Eine praxisbezogene Vergütung für die Aufnahme und Versorgung von Fundtieren tue not. Die Sterilisation einer Katze kostet laut tierärztlicher Gebührenordnung rund 100 Euro, bei einem Kater rund 60 Euro.

Es gibt immer mehr Katzen. In der Bundesrepublik bereits 8,2 Millionen. Auch von privat zu privat werde unerwünschter Nachwuchs weitervermittelt, wobei nicht immer gesichert sei, dass die neuen Besitzer tatsächlich ausreichend über die Tierhaltung wüssten. Ein Katzentransportkorb sei beispielsweise unerlässlich. Nicht wenige Tiere kämen bei der Mitnahme in den Urlaub oder auf dem Weg zum Tierarzt ohne Korb abhanden. Halter machen es sich leicht

Die Tierheime zwischen Garmisch und Dingolfing seien überfüllt. Die Katzenschutzinitiative habe zurzeit 15 Jungtiere in Pflegeplätzen untergebracht, bilanziert Anneliese Gebhardt. Viele Halter machten es sich zu leicht. Sie zögen um und stellten dann erst fest, dass der Vermieter keine Haustiere dulde. Das müsse man vorher klären und dann erst gar nicht einziehen.

Registrierungspflicht

Wer Katzen aussetze oder nicht regelmäßig füttere, verstoße gegen das Tierschutzgesetz. Das höre sich gut an, helfe Katzen auf Bauernhöfen aber nicht weiter. Diese Katzen vermehrten sich stark – sie werden mit sechs Monaten geschlechtsreif – und seien mangels guter Ernährung und tierärztlicher Versorgung zum Siechtum verurteilt, zudem steckten sie sich gegenseitig mit Infektionskrankheiten an. Die Forderung nach Kastrationspflicht ist für Anneliese Gebhardt der einzig richtige Weg. Gleichzeitig fordert sie wie die Tierschutzorganisation TASSO, eine der größten europäischen Tierschutzorganisationen, eine Registrierungspflicht für Hauskatzen mittels Tätowierung oder Mikro-Chip. Die Rückvermittlung verlorengegangener Tiere wäre so um einiges einfacher. Sie erinnert sich an einen kürzlichen Fall einer völlig verfilzten Langhaarkatze, die – wie sich herausstellte – nach zweimonatiger Odyssee durch Zufall wieder ihrem Besitzer zurückgegeben werden konnte. Der Tierarzt, zu dem sie Anneliese Gebhardt brachte, erkannte das Tier, das offensichtlich aus Neugier in einen offenen Lieferwagen eingestiegen war. Eine Tierschutz-Katzenverordnung mit einheitlichen Richtlinien würde Behördenvertretern und Tierschützern bei ihrer Handlungsweise Sicherheit geben, ist sie überzeugt. Menschen, die viele Katzen auf engstem Raum hielten, sei oft nicht beizukommen. Manko sei, dass das Tierschutzgesetz zwar 2001 um eine Hundeverordnung erweitert erweitert worden sei, eine Verordnung für Katzen stehe aber noch aus. Das hiesige Veterinäramt sei mit dem Straubinger Tierschutzverein und der Katzenschutzinitiative einig, dass Katzenhalter zunächst weiter in Sachen Kastration sensibilisiert werden müssten.

Jetzt, sagt sie, sei die Politik am Zug. Anneliese Gebhard hat sich einem Aufruf von IG Mehr Schutz für Haustiere an Bundestagsabgeordnete angeschlossen. -mon-

vom 19.08.2009 Straubinger Tagblatt

 

 

Online Spenden sammeln mit Altruja